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Unterleuten: Gesellschaftsroman – Juli Zeh

Beitragsbild "Unterleuten" von Juli Zeh

Anzeige (Rezensionsexemplar)

Zur Sache

Titel: Unterleuten

Autorin: Juli Zeh

Verlag: btb

Erschienen: 11. September 2017

Seiten: 656

Preis: EUR 12,00

*Rezensionsexemplar*

(zur Verfügung gestellt vom Bloggerportal und dem Verlag)

Zum Inhalt

Willkommen im brandenburgischen Dorf Unterleuten. Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer [das Buch spielt im Sommer 2010] müssen sich die Anwohner noch immer mit dessen Konsequenzen herumschlagen. Die Zeichen der Zeit scheinen noch immer keinen Halt vor Unterleuten zu machen, als das Thema Windenergie aktiv umgesetzt werden soll. Eine Firma plant einen Windpark im Ort zu bauen. Dadurch brechen alte Streitigkeiten wieder auf, Geheimnisse, die unter der Oberfläche verborgen waren drohen empor zu steigen und das Leben der Unterleutner für immer zu verändern …

Die wichtigsten Figuren (nach denen Kapitel benannt sind):

  • Gerhard Fließ
  • Linda Franzen
  • Konrad Meiler
  • Bodo Schaller
  • Rudolf Gombrowski
  • Kron
  • Jule Fließ-Weiland
  • Frederik Wachs
  • Timo Wachs
  • Arne Seidel
  • Kathrin Kron-Hübschke
  • Elena Gombrowski, geb. Niehaus
  • Lucy Finkbeiner

Meine Meinung

Zuerst möchte ich mich beim Verlag und dem Bloggerportal für das Rezensionsexemplar bedanken. Die nachfolgende Meinung und das Fazit spiegeln zu einhundert Prozent meine eigenen, unverfälschten Ansichten wider. Ich habe für diesen Beitrag kein Entgelt erhalten oder wurde über das Exemplar hinausgehend entschädigt.

„Mein erster Gesellschaftsroman“

Der erste und einzige Romane, den ich vor Unterleuten gelesen und ebenfalls als Gesellschaftsroman – wenn auch nicht derart ausformuliert – bezeichnen würde, ist Ein plötzlicher Todesfall von J.K. Rowling. Mit ihrer allerersten Veröffentlichung außerhalb des Harry-Potter-Universums schlug die Engländerin vor ungefähr 7 Jahren hohe mediale Wellen und tatsächlich wurde das tragische Ableben von Barry Fairbrother und der erbitterte Machtkampf des kleinen, englischen Vororts Pagford über den Nachfolger für Barrys politisches Amt zu einem weltweiten Bestseller. Die hohen Verkaufszahlen vom plötzliche[n] Todesfall können wohl getrost dem Prestige der Autorin, der Spannung und Erwartungshaltung an ihr Schreibtalent geschuldet werden; doch das ist nur Spekulation meinerseits. Vergleicht man die kritischen Stimmen mit der Platzierung des Romans auf den Bestsellerlisten dieser Welt, kommt man schnell zu diesem Gedanken! Das als kleiner Einstieg, doch nun zurück zum Gegenstand dieser Rezension: Unterleuten von Juli Zeh.

„Mit dem Dorf stimmt was nicht. Ganz massiv.“ Diese Worte springen dem Leser zuerst ins Auge, wenn er sich den Klappentext auf der Rückseite der Broschur ansieht. Hätte ich das Buch im Laden in der Hand gehabt, hätten allein diesen beiden Sätze, acht Worte, genügt, und Unterleuten wäre in meinem Einkaufskorb gelandet. Ich habe ein Faible für solche Geschichten. Umso trauriger, dass mich bisher keine von sich überzeugen konnte… Weder J.K. Rowlings Ein plötzlicher Todesfall, noch Juli Zeh mit diesem, ihrem neunten Buch. Habe ich Euch nun etwa das Fazit gespoilert?! Nein, keine Sorge. Mit meiner Aussage meinte ich nicht, dass Unterleuten ein Reinfall gewesen ist. Alles andere als ein Jahreshighlight war es trotzdem.

„Formalitäten“

Unterleuten ist in sechs Teile gegliedert. Jedes einzelne Kapitel trägt als Titel den Nachnamen der Figur, um die sich der jeweilige Textabschnitt hauptsächlich dreht; aus deren Sicht Juli Zeh, getarnt als allwissende Erzählerin, den Leser in die verwirrende Welt von Unterleuten kidnappt. Wegen dieser Verfahrensweise diente der erste Teil (bis Seite 183 wohlgemerkt) als bloße Einführung der Charaktere, die Namensgeber der elf Kapitel gewesen sind. Um eine grobe Übersicht vom Handlungsort zu vermitteln, hat der Verlag eine Karte des Dorfes in den Umschlag am Ende des Buches einarbeiten lassen.

„Unter Leuten in Unterleuten“

Der eigentliche Dreh- und Angelpunkt, der für Konflikt sorgt – der Bau des Windparks in Unterleuten – wird erst auf Seite 130 langsam eingeführt. Was davor kommt, ist nicht unwichtig, leider Gottes zieht es sich wie Kaugummi. Nicht bezogen auf Juli Zehs Schreibstil, sondern auf das, worüber sie schreibt: Hauptsächlich Biographie der Schlüsselfiguren! Wie sie nach Unterleuten gekommen sind, warum, weshalb sie noch dort sind, …

Prinzipiell ist alles davon notwendig, doch die Art und Weise hat mich gestört. Beispiel: Kapitel 1 (beginnt auf Seite 9) bezieht sich auf Gerhard Fließ. Von Herrn Fließ lesen wir – abgesehen von der ein oder anderen, kurzen Erwähnung zwischendurch – erst wieder ab Seite 200 etwas, im 13. Kapitel! Diese großen Spannen haben mich immens gestört. Ich verstehe ihre Notwendigkeit: Unterleuten, das Dorf, ist in meinen Augen die Sonne und alle anderen sind die kleinen Planeten, die um diese Sonne kreisen. Es gibt viele Himmelskörper, von denen jeder seine eigene Geschichte zu erzählen hat. Dies ist der Sinn, die Hauptmotivation eines Gesellschaftsromans.

Zeh hat es, ihrer literarischen Gabe zum Trotz, in meinen Augen nicht geschafft, alle Elemente so miteinander in Einklang zu bringen, dass ich das Bedürfnis hatte „Ich muss weiterlesen, ich muss wissen, was als nächstes passiert“. Im Gegenteil, war ich einfach nach jedem einzelnen Abschnitt froh, eine Pause machen zu können. Das Lesen war anstrengend. Ich mag jenes Niveau der Autorin vielleicht nicht mehr gewöhnt sein aufgrund dessen, was ist sonst wälze. Allerdings bin ich überzeugt davon, dass mich eine andere Durchführung gepackt und vor allem unterhalten hätte!

 

Fazit

Die Geschichte von Unterleuten verdient es, erzählt zu werden. Ob das unbedingt in Form eines Romans geschehen musste, vermag ich nicht final zu beurteilen. Das ZDF führt Unterleuten, voraussichtlich im nächsten Jahr, als Miniserie seinen Zuschauern vor. Dadurch wird das Buch zweifelsohne wieder vermehrt über die Ladentheke wandern. Ich bin überaus gespannt darauf zu sehen, was das Öffentlich-Rechtliche aus der Vorlage gemacht hat und wie potentielle Neu-Leser den Gesellschaftsroman nach der Ausstrahlung der Serie bewerten.

Große Ambitionen sind nicht selten zum Scheitern verurteilt – das ist in der literarischen Welt genauso der Fall wie in der Realität. Mit Juli Zeh widmete sich diesem anspruchsvollen Monstrum von einem Buch zumindest eine Wortakrobatin, die durchaus fähig ist, ohne Zweifel, Großes aus dem Nichts zu erschaffen. Möglicherweise war dieses Projekt selbst für ihr Können zu großflächig angelegt.

3 / 5 Sternen


Habt Ihr schonmal einen Gesellschaftsroman gelesen? Vielleicht auch Unterleuten? Schreibt mir dazu gerne einen Kommentar.

Ich wünsche Euch noch eine schöne Zeit und bis zum nächsten Mal.

Euer René 🙂

 

P.S.: Hier könnt Ihr meine Rezension zu The Brightest Stars: attracted von Anna Todd nachlesen, falls Ihr sie verpasst habt!

 

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Bei dem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar vom Heyne Verlag und dem Bloggerportal.

1 thought on “Unterleuten: Gesellschaftsroman – Juli Zeh”

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