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Zwei Fremde im Zug – Patricia Highsmith

Zwei Fremde im Zug Beitragsbild

Anzeige (Rezensionsexemplar)

Das wohl bekannteste Buch von Patricia Highsmith darf in den Diogenes-Neuauflagen natürlich nicht fehlen: Zwei Fremde im Zug. Ob mir der Roman gefallen hat? Lies selbst …

Die Geschichte klingt simpel. Zwei Fremde, Architekt Guy Haines und Herumtreiber Charles Bruno, lernen sich auf einer Zugfahrt von New York nach Texas kennen. Beide sind unglücklich. Bruno hat einen makaberen Vorschlag: Die zwei töten für den jeweils anderen. Bruno will Guys Ehefrau Miriam töten, Guy soll dafür Brunos Vater ermorden. Guy lehnt ab. Natürlich wäre es kein Patricia-Highsmith-Roman, wenn alles glatt liefe und wir Leser:innen uns auf 448 Seiten nicht in die Abgründe der menschlichen Seele begäben. Wenig später stirbt Guys Frau tatsächlich, getötet von Bruno. Nun fordert der von Guy ein, seine „Schuld“ zu begleichen …

Meine Meinung

Zwei Fremde im Zug ist das fulminante Debüt der amerikanischen Schriftstellerin, das 1967 erstmals in deutscher Sprache verlegt wurde. Kennt man andere Werke der Autorin und findet erst danach zu diesem Roman, dürfte man voller Erstaunen bemerken, wie Highsmith bereits in ihrem Erstling die beängstigend detaillierten Einblicke in die Köpfe ihrer Figuren einsetze, was im Laufe der Zeit zu ihrem Markenzeichen avancierte. Genauso ist das langsame Erzähltempo, das man mag oder nicht mag, schon ein Teil von Highsmiths Schreiben.

Großes Highlight: Die subtil angedeutete, nicht offen formulierte Frage der Autorin, ob nicht irgendwo ganz tief verborgen jede:r von uns ein Guy oder ein Bruno ist? Es sind Momente wie diese, in denen Highsmith es schafft, kurz vergessen lassen, dass man sich in einer fiktiven Geschichte befindet und ihre Leser:innen dazu bewegt, über das eigene, das echte Leben nachzudenken. Ist die Handlung möglicherweise realistischer und weniger konstruiert, als sie auf den ersten Blick erscheint?

Große Enttäuschung: Das Ende. Wer die Verfilmung von Alfred Hitchcock kennt, wird einen Unterschied bemerken. Filmadaptionen müssen nicht immer schlechter sein als ihre Romanvorlage. Die Auflösung im Buch konnte mich im Vergleich zum starken Rest nicht überzeugen.

Na, wie sieht’s aus?

Hast du schon mal ein Buch von Patricia Highsmith gelesen? Wenn nicht, solltest du dir mal die Neuauflagen des Diogenes Verlags anlässlich des 100. Geburtstags der Autorin anschauen. Die sind nicht nur wahrer Blickfang für dein Bücherregal, sondern hoch spannend und psychologisch fordernd zugleich.

Alles Liebe
René

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