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365 Tage: Dieser Tag – Blanka Lipińska

Beitragsbild 365 Tage Dieser Tag

Anzeige (Rezensionsexemplar)

Die langersehnte Fortsetzung von 365 Tage ist endlich da…

Wir alle kennen 365 Tage. Ein literarisches Phänomen, das es zuletzt vermutlich mit Fifty Shades of Grey gab, stürmt dank der Netflix-Adaption von Band 1 die hiesigen Bestsellerlisten. Im Herbst 2020, sehr zeitnah nach dem Filmrelease, erschien 365 Tage von Blanka Lipińska beim Blanvalet Verlag; vermutlich, um vom Hype um Massimo und Laura zu profitieren. Die Rechnung ging auf alle Fälle auf. 365 Tage dürfte das Buch sein, über das 2020 am heftigsten diskutiert wurde. Zu Recht! Die toxische Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die die Autorin hier schon nahezu verharmlost? Uff. Unter Ausblendung dieser Tatsache (anders hätte ich das Buch nicht lesen können) hat mir 365 Tage gut gefallen. Umso gespannter war ich auf die Fortsetzung Dieser Tag. Umso größer dann die Enttäuschung am Ende…

In 365 Tage – Dieser Tag knüpft die Autorin Blanka Lipińska nahtlos da an, wo Band 1 aufhörte. Laura lebt mittlerweile bei ihrem einstigen Entführer Massimo auf Sizilien und genießt ihr neues, glamouröses Leben. Die Hochzeit, die bald ins Haus steht, soll der krönende Abschluss ihrer „Liebesgeschichte“ sein. Wäre da nicht die Tatsache, dass Massimo das Oberhaupt eines sizilianischen Mafia-Clans wäre. Ein Umstand, der nicht nur Lauras eigenes Leben bald in erhebliche Gefahr bringt…

„Ich bin kein Objekt, niemand kann mich besitzen“

Mehr lässt sich zur Handlung an der Stelle nicht zusammenfassen, ohne zu spoilern. Eingangs habe ich meine Enttäuschung über den zweiten Teil der Trilogie angedeutet. Woran das eigentlich hing? Anders gefragt: Woran hing es nicht? 365 Tage 2 liest sich wie alle Geschichten, deren Hook (in diesem Fall „Frau wird entführt und verliebt sich in ihren Entführer“) ein sogenanntes shelf life hat. Das bedeutet, das, was die Handlung von anderen Büchern abhebt und besonders macht, kann diese Aufgabe nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt erfüllen. Beim Beispiel 365 Tage hat das genau bis zum Ende des ersten Teils funktioniert.Dieser zweite Teil konstruiert so viel unnötiges Drama, und vom bevorstehenden dritten Band will ich gar nicht erst anfangen… 365 Tage – Dieser Tag fehlt die Hook! Laura ist nicht länger nur die Frau, die entführt wurde und sich in ihren Entführer verliebt.

Dieser Aspekt der Handlung tritt so weit in den Hintergrund, dass man die ungewöhnlichen Umstände, die zur Beziehung von Laura und Massimo führte, als Leser*in beinahe schon wieder vergisst. Ein Problem, das Fifty Shades of Grey hatte. Sobald der BDSM-Faktor in den Teilen zwei und drei kaum noch existent war, verlor die Story ihren unique selling point. Um auf eigenen Beinen stehen zu können, ist es dafür wichtig, gut entwickelte Figuren zu haben, denen es gelingt, den Plot in neue Richtungen zu bringen. Das gelang Fifty Shades nach meinem Empfinden nach von vor gut 10 Jahren (keine Ahnung, wie ich das heute sehen würde). Bei Laura und Massimo ist genau das nicht der Fall.

„Provozier mich nicht, Kleines!“

Im Gegenteil. Die Autorin ruiniert in 365 Tage – Dieser Tag alles Interessante, was die beiden Hauptfiguren in 365 Tage hatten. Der Mafia-Plot, auf den ich mich mit am meisten gefreut hatte, ist kaum existent und die paar Brocken, die den Leser*innen vor die Füße geknallt werden, sind stinklangweilig. Für mich liegen, was das character development, aber auch die Story an sich, Welten zwischen Teil 1 und 2. Im Grunde passiert nichts, was sich nicht mit Hochzeit, Schwangerschaft , Sex, Drogen und Alkohol zusammenfassen lässt. Die toxische Dynamik zwischen Laura und Massimo, die Band 1 noch bestimmt hat, ist hier gänzlich verflogen, was das zweite Buch zum Schatten seiner Selbst werden lässt.

Fazit

Nachdem ich 365 Tage sehr gemocht habe, war ich von 365 Tage – Dieser Tag maßlos enttäuscht. Ich habe mich auf den ersten 100 Seiten gefragt, ob das wirklich die gleiche Autorin geschrieben haben kann, die mich ein halbes Jahr zuvor fesseln konnte. Den dritten Teil der Reihe werde ich nicht mehr lesen. Da ich die Cover der Bücher sehr gerne mag, wird Teil drei irgendwann als Mängelexemplar einziehen, mehr nicht. Schade eigentlich. Ich hatte mich auf ein verrufenes guilty pleasure gefreut. Sämtliche Ambitionen dahingehend wurden nach einem „guten“ ersten Teil zerstört.

P.S.: Ebenfalls (teilweise) in Italien spielt dieser Roman aus dem dtv Verlag! Schau‘ gerne mal bei meiner Rezension dazu vorbei.

Alles Liebe,
René


Zur Sache

Titel365 Tage – Dieser Tag
OT: Ten dzień
Autor*in / Übersetzter*innenBlanka Lipińska
Ins Deutsche übersetzt von Marlena Breuer und Saskia Herklotz
VerlagBlanvalet Verlag
Erschienen19. April 2021
Seiten480
Preis€ 12,90

*Rezensionsexemplar*

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